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Roseodiscus formosus
D. WIESCHOLLEK, S. HELLEMAN, H.O. BARAL, T. RICHTER; Z. Mykol. 77(2): (2011)
Artenprofil von Fredi Kasparek
Letzte Änderung: 31.07.2017


Systematische Einordnung

Reich: Pilze (Fungi)
Klasse: Schlauchpilze (Ascomycetes)
Ordnung:


Schlauchpilze deren Schläuche zwecks Sporenbefreiung bei Reife platzen oder apikal aufreißen. Inoperculate Ascomyceten (Helotiales)
Familie:




Winzige bis mittelgroße Fruchtkörper (Apothecien), gestielt oder ungestielt, meist scheiben-, krug-, pokal- bis becherförmig, nackt oder stark behaart, Hymenium wachs-, gallertartig, oder zäh, weiß, gelb, beige, braun, rot, violett oder schwarz (Helotiaceae).
Gattung:Roseodiscus

Fotos (© Fredi Kasparek)
Landschaftspark Hoheward, Herten


(xxl-Foto)
   
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale, Beschreibung der Artmerkmale

Wissenschaftliche Fachbegriffe werden hier im Pilz-ABC erklärt!

Vorbemerkung:
Dieses hochinteressante, fotogene Becherchen wurde 2009 von meinem Freund Dirk Wieschollek und mir auf einer Exkursion in NRW-Herten, Landschaftspark Hoheward zum ersten Mal von uns in Deutschland entdeckt. Der anschließende Bestimmungsversuch mit Hilfe diverser Literatur schlug zunächst fehl. Bei unserer weiteren Recherche stießen wir auf eine niederländische Webseite die exakt unsere Art darstellte. Die Niederländer hatten diese Art schon (2004) gefunden und als Discinella menziesii (Boud.) Boud. ex A.L. Sm. & Ramsb., bestimmt und publiziert. Diese Bestimmung stellte sich im Nachhinein nach weiteren Recherchen und Diskussionen mit den Autoren als Fehlbestimmung heraus.
2011 wurde dann unser Fund von D. Wieschollek, S. Helleman (Niederlande), H.O. Baral, und T. Richter in der Z-Myk. 77/2 als Roseodiscus formosus spec. nov. Ein bryophiler Pionier mit falschem Namen neu publiziert. Die Mitarbeit als Autor dieser Publikation habe ich aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Die spannende Geschichte zu dem Pilz wird in dem Artikel umfassend dargestellt und kann interessierten Pilzfreunden wärmstens empfohlen werden.




Roseodiscus formosus (Foto: Fredi Kasparek, 26.01.2014, xxl-Foto bei Bildklick)

Habitus: Apothecium 1,5-4 mm Ø, scheibig- tellerförmig bis flach konvex- glatt, fleischig, feucht glänzend, blass- bis kräftig lachsrosafarbig; Stiel 1,5-4 (6) mm lang, x 1,0-2,5 mm dick, weißrosa, glatt, feucht glasig, zur Spitze konisch erweitert, meist heller als das Apothecium, nur ganz junge Stiele sind dem Apothecium gleichfarbig

Einige arttypische Mikromerkmale:

Asci: 90-135 x 9-11 µm, zylindrisch, zur Basis langsam verjüngend, mit Haken, achtsporig; in IKI (Lugol)+, Porus färbt sich ± orangerot, in Melzers Reagenz - negativ, KOH vorbehandelt, - dann in Lugol oder Melzers Reagenz +, Porus färbt sich blau

Paraphysen: fädig, apical kaum angeschwollen, mehrmals septiert, 2-2,5 µm dick, im oberen Teil hin und wieder kurz verzweigt und gebogen.

Sporen: Sporen im toten Ascus meistens uni- im vitalen Ascus biseriat liegend angeordnet, Mittelwert 13-16 x 3,5-4 µm, ellipsoid, oft einseitig verjüngend (fusoid), hyalin, glatt, reif meistens mit einer Mittelsepte, in den Polen mit mehreren kleinen Guttulen angereichert. Gut ausgereifte Sporen lassen in Lugol präpariert zusätzlich pro Sporenhälfte einen runden, rotbraunen Glykogenkörper sichtbar werden

Ökologie, Substrat, Lebensweise
Roseodiscus formosus liebt anthropogen beinflusste Standorte wie&xnbsp;Abraumhalden, unbearbeitete Äcker, Heiden, Küstendünen und ähnliche Standorte die mit diversen Moosen, Flechten- und niederen Pflanzenvegetationen besiedelt wurden. Bei den bis dato bekannten Nachweisen handelte es sich ausschließlich um magere, sandig-steinige Biotope. Ein wichtiger Indikator für die Phänologie von Roseodiscus formosus scheint das Moos Ceratodon purpureus zu sein.




Roseodiscus formosus (Foto: Fredi Kasparek, xxl-Foto bei Bildklick)

Bei unseren Aufsammlungen aus mehreren Jahren nach 2009 war dieses Moos immer als treuer Begleiter dieses Becherchens beobachtet und notiert worden. Daher liegt unsere Vermutung nahe, dass dieses bodenbewohnende inoperculate Becherchen wahrscheinlich eine parasitische Verbindung mit dem Moos Ceratodon purpureus eingeht. Die blassbräunenden Moospolster bei allen Aufsammlungen in unmittelbarer Fundnähe deuteten zumindestens darauf hin. Eine diesbezügliche labortechnische Untersuchng steht meines Wissens noch aus. Roseodiscus formosus wächst meist einzeln, gelegentlich zweistielig, gerne gesellig in Gruppen und selten auch zu Wenigen büschelig verwachsen.

Verwechslungsarten oder nahe Verwandte
Nicht wirklich eine Verwechslungsart zu Roseodiscus formosus ist Bryoscyphus dicrani. Das ebenfalls bryophil abhängige Becherchen erscheint eher im Herbst, wurde aber auch schon von uns im Frühjahr (März-April) entdeckt. Es befällt verschiedene Moose u. a. auch Ceratodon purpureus. Durch seine weißlichen bis blass beigefarbenen Fruchtkörper ohne Rosatöne, seinen kreiselförmigen-konischen Wuchs, sowie die eindeutig von Roseodiscus formosus abweichenden Mikromerkmale, fällt dieses Becherchen als Verwechslungsart aus. Es erscheint allerdings in den gleichen Biotopen mit denselben Substratansprüchen.

  

Bryoscyphus dicrani (Foto: Fredi Kasparek, xxl-Foto bei Bildklick)

Ein makroskopisch etwas ähnlich aussehender inoperculater Ascomyzet ist Ombrophila violacea (Violetter Gallertkreisling). Er ist ein reiner Sabrobiont der ausschließlich Totholz besiedelt. Dazu besitzt er deutlich andere Mikromerkmale die ihn schnell beim Blick durch das Mikroskop von Roseodiscus formosus unterscheiden lassen.

  

Violetter Gallertkreisling (Ombrophila violacea, Foto: Fredi Kasparek, xxl-Foto bei Bildklick)

Giftigkeit bzw. Speisewert
Kleine inoperculate Ascomyzeten zählen generell nicht zu den Speisepilzen. Darüber hinaus ist der Speisewert bzw. der Giftgehalt meines Wissens bei diesen Winzlingen noch nicht untersucht worden.

Erscheinungszeitraum
Roseodiscus formosus ist sehr früh im Jahr, ab (Januar) Februar-April, zu finden. Kälte (kein Frost!) kann die Art gut vertragen. Ergiebige Feuchtigkeitsperioden Anfang des Jahres mit Plus-Temperaturen sind Voraussetzungen, um die Art bei einer gezielten Suche in den bekannten Biotopen auch zu finden.



Roseodiscus formosus (Foto: Fredi Kasparek, xxl-Foto bei Bildklick)

Verbreitung/Häufigkeit in Deutschland
Roseodiscus formosus ist in Deutschland auschließlich in den oben erwähnten, besonders ökologisch geprägten Biotopen entdeckt worden. Hier auch nur in den Monaten von Januar bis April. Vermehrte Aufsammlungen sind nach der Erstdokumentation lediglich im Raum Hamburg und den angrenzenden Küstengebieten dokumentiert worden. Wegen der frühen, kurzen Erscheinungszeit zählt Roseodiscus formosus zu den selteneren Arten in Deutschland.

Verbreitung in NRW
Aus NRW sind mir nur die oben aufgeführten Funde aus dem Landschaftspark Hoheward in Herten bekannt. Darüber hinaus kenne ich nur wenige Pilzverrückte, die in den tiefsten Wintermonaten steile, rutschige Haldenhänge erklettern um auf Pilzpirsch ein ganz besonders seltenes Becherchen zu suchen. Von daher räume ich der Art Raritätsrang ein.

Benutzte Literatur
WIESCHOLLEK, D.; S. HELLEMAN, H.-O. BARAL & T. RICHTER (2011): Roseodiscus formosus spec. nov.- ein bryophiler Pionier mit falschem Namen. Zeitschrift für Mykologie 77/2, S. 161-174


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Weitere Informationen zu Pilzen (Fungi) im Internet

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